Awin Thoughts: Stehen wir kurz vor einer neuen Kartellära?

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Makaber, wenn der Mitbegründer eines Unternehmens dessen Demontage fordert.

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Es muss ziemlich schlimm sein, wenn der Mitbegründer eines Unternehmens dessen Demontage fordert. Aber genau das ist es, was Chris Hughes, Mark Zuckerbergs ehemaliger Harvard-Kollege und Mitbegründer des sozialen Netzwerks Facebook, Anfang Mai in einem Artikel in der New York Times befürwortete. 

Verständlicherweise hat das in der gesamten Branche große Aufmerksamkeit erregt. Antimonopolitische und kartellfeindliche Rhetorik gewinnt in digitalen Werbekreisen an Bedeutung. Dabei stehen Google und Facebook natürlich im Mittelpunkt. 

Die Diskussion über die Auflösung von Unternehmen um des Wettbewerbs willen, wird bei US-Politikern immer mehr zum populären Thema. Selbst die sonst so gegensätzlichen Ansichten von Donald Trump und Elizabeth Warren stimmen in diesem Punkt überein. 

Die USA an sich hat eine lange Tradition was das Ergreifen von Maßnahmen gegen monopolistische Korporationen angeht. Bekanntestes Beispiel: der Sherman Act von 1890. Der republikanische Politiker John Sherman setzte sich schon damals mit einem Gesetz gegen monopolitische Marktmacht ein. Shermans Worte wurden in der Vergangenheit mehrfach zitiert und in mehreren Fällen gegen Unternehmen verwendet, bei denen Missbrauch ihrer dominanten Marktposition konstatiert wurde. Von Standard Oil und American Tobacco bis zu AT&T und Microsoft, bei allen kamen Shermans Worte zum Einsatz. 

Heute nehmen die Gesetzgeber jedoch eine zunehmend konservative Sichtweise auf sogenannte Monopolstellungen ein. So liegt das Augenmerk nun eher darauf, ob die Monopolstellung zu Preissteigerungen für die Verbraucher führt. Tech-Titanen sind dabei im Allgemeinen einer Überprüfung entgangen. Erst kürzlich entschied der Oberste Gerichtshof, dass Apple wegen Monopolisierung seines App Store verklagt werden kann. Doch auch diese Entscheidung wurde auf die Tatsache gestützt, dass die 30%ige Provision von Apple auf alle App-Verkäufe einen markanten Preisanstieg zeigt. 

In den meisten Fällen neigen die Nutzer nicht dazu, für die Nutzung von Unternehmensdienstleistungen, wie etwa von Facebook oder Google, zu bezahlen. Wenn sie dies tun, wie beispielsweise bei Amazon Prime, dann werden sie oft stark subventioniert, um das Wachstum zu fördern. Die Nutzer zahlen mit ihren persönlichen Daten und diese werden dann verwendet, um hochprofitablen Werbeunternehmen zu versorgen. 

Dieser Trick hat es Facebook ermöglicht, Unternehmen zu erwerben, die normalerweise als direkte Konkurrenten gelten würden. Die Entscheidung der Federal Trade Comission, kurz FTC, grünes Licht für den Zusammenschluss von Facebook, Instagram und Whatsapp in den Jahren 2012 bzw. 2014 zu geben, gilt heute als schwerer Fehler. Und Chris Hughes ist nicht der Einzige, der fordert, dass diese Unternehmen als Maßnahme gegen die Alleinherrschaft von Facebook wieder getrennt werden sollten. 

Eines der größten Probleme sieht Hughes dabei in der mangelnden Innovationsmöglichkeit und die Unterdrückung einer gesunden Startup-Umgebung. 84 Cent von jedem Dollar, der für Social Media-Werbung ausgegeben wird, geht an die Facebook-Gruppe. Es gibt also kaum Raum für neue Unternehmen. Seit 2011 gibt es kein großes neues Social-Media-Unternehmen mehr. 

Das alles von den Ufern der Affiliate-Welt aus zu beobachten, ist etwas ermutigend. Schließlich ist die Branche seit langem ein Vorbild für Start-Ups. Die Eintrittsbarrieren sind minimal und es gab schon immer Raum für frische, innovative Geschäftsideen. Affiliate Marketing ermöglicht es Marken, die Kontrolle über ihre Werbepartnerschaften zu übernehmen und ihre Programme so zu gestalten, dass sie mit einer Vielzahl von verschiedenen Publisher-Modellen zusammenarbeiten können. Und da sich das historische Last-Click-Modell schnell zu einem weitaus flexibleren Ansatz entwickelt, erweitert sich diese Auswahl weiter.   

Die digitale Vielfalt ist ein wichtiger Aspekt des diesjährigen Awin Reports und stellt ein wesentliches Merkmal der Affiliate-Industrie dar. 

Unabhängig davon, ob Facebook und all seine Verwicklungen in den kommenden Jahren von den Regulierungsbehörden auseinander gebrochen werden oder nicht, der Affiliate-Kanal wird ein Zufluchtsort für Start-Ups und Innovatoren bleiben. So finden sie dort den Zugang zu Tools, Unterstützung und Partnerschaften, die sie für das Vorantreiben ihres Vorhabens benötigen. 

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