Q3-Rückblick: Influencer-Marketing

Verfasst von Gabrielle Pajer am 7 Minuten zum Lesen

Während sich Marken und Creator auf die Weihnachtssaison vorbereiten, blickt Gabrielle Pajer von Awin auf die vergangenen Monate im Influencer-Marketing zurück.

In Q3 ging es vor allem darum, wo Creator ihr Geld verdienen und wo ShopperInnen sie entdecken.

Amazons Provisionskürzungen im Frühjahr belasteten das Geschäft vieler Creator auch im Sommer stark, weshalb sie ihre Affiliate-Aktivitäten auf mehrere Programme ausweiteten.

TikTok Shop entwickelte sich währenddessen zu einem führenden Online-Retailer in den USA, dessen Geschäftsmodell fast vollständig auf Creator-Affiliates basiert.

Creator scheinen zunehmend als eigenständige Commerce-Unternehmen statt als reine Marketingkanäle zu agieren. Ihre Partner wählen sie nach Vergütung, Daten und Zuverlässigkeit aus. Mit der aktuellen Planung der Weihnachtskampagnen stellt sich für Marken die Frage, wie sie in Q4 Creator-Partnerschaften aufbauen, vergüten und ihren Erfolg messen sollten.

Die drei wichtigsten Entwicklungen im Influencer-Bereich in Q3:

1. Amazon hat seine Provisionsregeln überarbeitet, und Creator suchen nach Alternativen

Amazon hat seine Associates- und Influencer-Programme im Frühjahr ohne große Ankündigung umstrukturiert. In den USA gelten die Änderungen seit April. In einigen Kategorien wurden die Provisionen um bis zu 50 % gekürzt. Dabei sanken die höheren Provisionssätze von rund 10 % auf 4–5 %.

Meilensteinboni wurden gekürzt, und das Reporting auf Produktebene eingeschränkt. Eine öffentliche Ankündigung gab es allerdings nicht. Die meisten PartnerInnen erfuhren es über ihre Dashboards oder KundenbetreuerInnen.

In Q3 schlug Amazon zum Prime Day dann den entgegengesetzten Kurs ein. Die Plattform bot vom 1. bis zum 20. Juli höhere Provisionssätze in 13 Kategorien an. Bei Schmuck verdoppelte sich der Provisionssatz von 4 % auf 8 %, bei Beauty stieg er von 10 % auf 12,5 %.

Creator stellten fest, dass die regulären Provisionssätze niedriger ausfallen und die Verdienstchancen nun vor allem in kurzen Aktionszeiträumen rund um bestimmte Events liegen.

An dieser Stelle würde ich normalerweise erklären, was das für das Affiliate Marketing bedeutet. Tatsächlich haben die Creator aber bereits reagiert.

Wie schon im April, als Amazons Provisionssätze stark sanken, bereiten sie ihre Amazon-Produktbewertungsvideos für YouTube, Instagram und TikTok neu auf, reaktivieren Blogs und E-Mail-Verteiler, verlangen Honorare für die Content-Erstellung bei Markenkooperationen und nutzen zwei oder drei Affiliate-Plattformen parallel.

Was das für das Affiliate Marketing bedeutet

Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, PartnerInnen für das Weihnachtsgeschäft zu gewinnen

Creator, die bisher auf Amazon gesetzt haben, suchen aktiv nach Programmen mit attraktiver und verlässlicher Vergütung.

Jetzt ist also ein guter Zeitpunkt, erfolgreiche Amazon-Creator zu finden und sie mit attraktiven Provisionssätzen, klaren Konditionen, Boni für das Weihnachtsgeschäft und einem schnellen Onboarding für dein Affiliate-Programm zu gewinnen.

Reine Provisionsmodelle werden immer unattraktiver

Nachdem ihre Amazon-Einnahmen nahezu über Nacht eingebrochen sind, lehnen immer mehr Creator Kooperationen auf reiner Provisionsbasis ab und verlangen Vorauszahlungen oder eine Kombination aus Fixhonorar und Provision.

Immer häufiger besteht das Standardangebot aus einer garantierten Basisvergütung und einer Provision für getrackte Sales. Top-Creator betrachten solche Hybridmodelle inzwischen als Zeichen einer echten Partnerschaft, bei der sie das Conversion-Risiko nicht allein tragen müssen.

Laut Affiliate-Berater Matt McWilliams sanken die Kosten pro Akquisition bei Programmen, die in diesem Jahr hybride Vergütungsmodelle getestet haben, um 28 %. Gleichzeitig dauerten die Partnerschaften im Durchschnitt sieben statt zwei Monate.

Stell dich auf stärkeren Wettbewerb um denselben Content ein.

Creator, die ihr Risiko durch Beiträge auf mehreren Plattformen streuen, verlinken auf den Anbieter, der in der jeweiligen Woche die beste Vergütung bietet. Es ist jetzt also wichtiger denn je, Werbekostenzuschüsse (WKZ) für das Weihnachtsgeschäft oder gestaffelte Provisionen frühzeitig festzulegen.

Plane mit dem Aktionskalender von Amazon

Wenn Amazon zum Black Friday die Provisionen wie zum Prime Day erhöht, dürfte das erneut das Interesse der Creator wecken. Marken sollten ihre eigenen Incentives zeitlich darauf abstimmen, damit ihre Angebote im selben Zeitraum konkurrenzfähig bleiben.

2. TikTok Shop wurde dank Creator-Affiliates zu einem führenden Online-Retailer in den USA

Im September veröffentlichte eMarketer ein Update zu TikTok Shop.

Die Social-Media-Plattform wird voraussichtlich 2026 in den USA ein E-Commerce-Verkaufsvolumen von 23,4 Milliarden US-Dollar erreichen – 48 % mehr als im Vorjahr und mehr als das Onlinegeschäft von Target.

Wie zu erwarten, generieren Creator rund drei Viertel dieser Sales. Bemerkenswert ist jedoch: Content von Creator-Affiliates generiert 42 % des Bruttowarenwerts der Plattform.

Dank Affiliates nutzen ShopperInnen TikTok Shop zunehmend auch für größere Einkäufe. Mehr als die Hälfte der VerbraucherInnen (51 %) hat inzwischen ein Produkt für mehr als 100 US-Dollar auf der Plattform gekauft. Kategorien wie Gartenmöbel und sogar Swimmingpools (ja, wirklich!) verzeichnen dreistellige Wachstumsraten. Auch die Lieferzeiten sind von rund fünf auf zwei Tage gesunken.

Höhere Bestellwerte und kürzere Lieferzeiten machen TikTok Shop in Q4 auch für den Geschenkekauf attraktiv – und nicht nur für Impulskäufe günstiger Artikel.

Was das für das Affiliate Marketing bedeutet

Gestalte die Zusammenarbeit mit Creatorn flexibel

TikTok Shop funktioniert nach demselben Prinzip wie ein Affiliate-Programm. Creator erzielen getrackte Sales und erhalten dafür Provisionen, nur eben innerhalb einer geschlossenen Plattform.

Creator, die über TikTok Shop verkaufen, können das also auch über Links auf Websites, per E-Mail und über Apps wie die von Awin tun (mehr dazu weiter unten).

Achte dabei auf mögliche Kannibalisierungseffekte. Falls derselbe Creator ein Produkt sowohl über TikTok Shop als auch über dein eigenes Programm bewirbt, stimme die Provisionen und Werbebotschaften aufeinander ab, damit du nicht doppelt für denselben Sale zahlst.

Biete Creatorn neue Möglichkeiten, ihre Produkte zu verkaufen

Wie wäre es damit? Mit Storefronts in der Awin App können Creator thematische Seiten mit direkt verlinkten Produkten erstellen, z. B. einen Geschenke-Guide für die Feiertage, und sie über einen einzigen Link auf Social Media, per E-Mail oder in ihrer Bio teilen können.

Creator können Klicks, Sales und Provisionen direkt auf ihrem Smartphone tracken. Damit haben Marken und Creator eine attraktive Alternative für das Weihnachtsgeschäft außerhalb von TikTok Shop.

3. KI mischt in Q4 mit

KI-Agenten und Chatbots beeinflussen zunehmend das Einkaufsverhalten. Das diesjährige Weihnachtsgeschäft wird ihre bislang größte Bewährungsprobe. Adobe prognostiziert, dass der über KI vermittelte Traffic auf US-Onlineshops in dieser Saison gegenüber dem Vorjahr um 130 % steigen und an Thanksgiving seinen Höhepunkt erreichen wird.

KI-Empfehlungen beeinflussen Kaufentscheidungen: Laut einer Umfrage von Klaviyo unter mehr als 8.000 VerbraucherInnen kauften 41 % der Befragten in den vergangenen sechs Monaten ein Produkt auf Empfehlung einer KI. Auch das Affiliate Marketing profitiert davon. Laut Adobe wird der Anteil von Affiliates und PartnerInnen am Online-Umsatz in dieser Saison um 12 % wachsen. Schon jetzt stammen 22 % des Affiliate-Traffics von Creatorn.

Hier zeigt sich ein Zusammenhang.

Creator-Content beeinflusst die Antworten der KI. Eine Ahrefs-Studie zu 75.000 Marken zeigt, dass Erwähnungen auf YouTube am stärksten mit der Sichtbarkeit einer Marke in KI-Antworten zusammenhängen.

Auch Social-Media-Content wird immer wichtiger: Goodies Analyse von 1,8 Millionen Quellenverweisen in KI-Antworten zeigt, dass der Anteil der Verweise auf Social Media zwischen Januar und August von 4,9 % auf 7,2 % stieg. Hinzu kommt:  84 % der Quellenverweise in KI-Antworten stammen aus Earned Media, also aus den Inhalten, die Content Creator und BloggerInnen täglich veröffentlichen. Nur 0,3 % entfallen auf bezahlte Placements.

Das ist auch den MarketingexpertInnen aufgefallen Im Sommer begannen Creator-Agenturen und KI-Marketingunternehmen,  „Answer Engine Optimization mit Creator-Fokus“ anzubieten. Sie analysieren, welche Creator bereits in KI-Antworten als Quellen genannt werden, und leiten daraus ab, welche Creator Marken beauftragen sollten und wie deren Videos betitelt und untertitelt werden sollten.

Da YouTube inzwischen in etwa einem Viertel der Antworten von KI-Agenten und Chatbots als Quelle auftaucht, trägt Creator-Content dazu bei, dass Marken in der KI-Suche gefunden werden.

Was das für das Affiliate Marketing bedeutet

Der getrackte Klick gerät unter Druck

Affiliate- und Creator-Content ist eine wichtige Informationsquelle für KI-Agenten und Chatbots. Wenn diese Tools eine Frage direkt beantworten, wird der Affiliate-Link, über den eine Provision verdient werden kann, möglicherweise gar nicht angeklickt. EMarketer weist darauf hin, dass dies den Affiliate-Kanal vor eine strukturelle Herausforderung stellt, und betont, warum die Erfolgsmessung über den letzten Klick hinausgehen sollte.

Hybride Vergütungsmodelle (Pauschalhonorar plus Provision oder Content-Boni) helfen, Creator zu motivieren, wenn ein Teil ihres Beitrags der KI zugerechnet wird.

Berücksichtige die Sichtbarkeit in KI-Antworten im Creator-Briefing

Marken sollten prüfen, wie häufig und in welchem Zusammenhang sie in KI-Antworten auftauchen, wenn ShopperInnen Fragen zu ihrer Produktkategorie stellen.

Wenn ein Wettbewerber die KI-Antworten dominiert, können gezielt beauftragte YouTube-Reviews, Blogbeiträge und Social-Media-Inhalte zu den Produkten, die du besonders hervorheben möchtest, diese Lücke schließen und zugleich getrackte Sales generieren.

Auf ins Q4

Zum Schluss noch ein Extra aus Q3. Auf der Awin-Plattform stieg der von Creatorn generierte Umsatzanteil im Vergleich zum Vorjahr von 15,9 % auf 19,5 %. Sie sind damit unser am schnellsten wachsender Partnertyp.

Gleichzeitig haben Creator mehr Optionen und wählen Partner gezielter aus. Für das Weihnachtsgeschäft heißt das: Gewinne Creator frühzeitig als PartnerInnen, biete ihnen attraktive und transparente Konditionen, teile Daten und bewerte ihren gesamten Beitrag – nicht nur den letzten Klick.

Besuche unseren Hub, um mehr über Influencer-Marketing bei Awin zu erfahren, oder melde dich als Creator an.