Der „Great Lockdown“ wirft ein neues Licht auf die unsichtbare Infrastruktur, die hinter dem eCommerce steckt

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Mit Milliarden von Menschen, die zu Hause bleiben müssen, hat der eCommerce eine neue Bedeutung im Leben der Verbraucher erlangt.

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Mann in brauner Jacke trägt ein Paket

Vergangene Woche wurde die gegenwärtige Rezession zum „Great Lockdown“ ernannt. Vor diesem Hintergrund hat sich der IWF mit der Frage beschäftigt, worin der Großteil der Einbußen seinen Ursprung hat. In erster Linie ist COVID-19 zwar ein Gesundheitsproblem, doch der wirtschaftliche Schaden ist eine Folge der notwendigen Distanzierungsmaßnahmen. Mit der Schließung von unzähligen Restaurants, Bars, Geschäften und anderen kommerziellen Einrichtungen ist der eCommerce das einzige Licht am Ende des Tunnels in der Retail-Branche. Mit der Eigenschaft, selbst unter den feindseligsten Handelsbedingungen zu bestehen und durch die teilweise aktive Förderung einiger lokaler Regierungen hat er vielerorts einen beispiellosen Aufschwung erlebt – auch an traditionelleren Orten, wo das Wachstum des eCommerce bisher nur zögerlich voranging.

Eine Verbraucherumfrage von Nielsen hat vor kurzem gezeigt, in welchem Ausmaß sich das Verhalten in ganz Europa bereits geändert hat. Besonders Frankreich und Italien – Länder, in denen die Adaption von Online-Shopping in der Vergangenheit vergleichsweise langsam voranschritt– verzeichnen enorme Anstiege in der Akzeptanz des eCommerce. Natürlich bleibt die digitale DNA des eCommerce von den Herausforderungen, denen die „reale Welt“ derzeit gegenübersteht, nicht unberührt. Aber wenn Du im eCommerce oder digitalem Marketing arbeitest, dann weißt Du, wie einfach man die unsichtbare physische Infrastruktur, die sich hinter unseren Screens verbirgt, vergessen kann.

Wir neigen dazu, uns mit digitalen Abstrakten zu befassen: mit Codezeilen und Datenblättern, Plugins und Plattformen, Cookies (wenn auch mit abnehmender Tendenz) und Conversion Rates. Insbesondere als Publisher ist es leicht in diese virtuelle Welt einzutauchen. Denn Dein Fokus liegt ganz darauf, Verbraucher online zu gewinnen und qualifizierten Traffic zu relevanten Advertisern zu lenken. Aber mit einem einzigen Klick auf den „Kaufen“-Button setzt ein Kunde eine physische Lieferkette in Gang, die uns in der digitalen Welt weitgehend verborgen bleibt.

 

Die physischen Wurzeln des eCommerce bringen Lieferprobleme mit sich

Der weltweite Ausbruch von COVID-19 hat ein neues Licht auf diese unsichtbare Welt geworfen. Von den Fabriken, die unsere Waren herstellen über die Lagerarbeiter, die diese verpacken bis hin zu den Transport- und Speditionsunternehmen, die die Güter über Land, Meer und Luft transportieren – und nicht zu vergessen: die Kuriere, die die letzten Kilometer bis zu unseren Haustüren zurücklegen.

Auch wenn der eCommerce für viele Händler, die ihre Geschäfte schließen mussten, ein Rettungsboot darstellt, ist er doch fest mit der physischen Welt verankert und von ihr abhängig.

Die Besonderheit von COVID-19 bedeutet daher, dass viele Retailer derzeit mit einer beinahe untragbaren Situation konfrontiert sind. Der Rückgang der Laufkundschaft zu den physischen Stores als Folge der Distanzierungsmaßnahmen bedeutet, dass sich in den Lagerhäusern ein Überangebot an Warenbeständen aufbaut. Obwohl der eCommerce in dieser Hinsicht einen Teil der Einbrüche abgefangen hat, ist dies nur ein winziger Teil des Warenvolumens, das in den Ladengeschäften normalerweise gekauft wird und das sich nun in Lagerhäusern stapelt. Der spanische Modegigant Inditex, der Inhaber von Zara, ist nur einer der prominenten Marken, die aufgrund der Auswirkungen der Pandemie auf den Shopping-Meilen dazu gezwungen war, mehr als 300 Millionen Dollar seiner Frühlings- und Sommerkollektion abzuschreiben.

Der in den USA ansässige Gutschein-Publisher RetailMeNot hat in einer aktuellen Untersuchung festgestellt, dass die Anzahl der Marken, die jetzt kostenlosen Versand anbieten, über verschiedene Bereiche stark zunimmt. Denn viele erhoffen sich damit ihren Bestand online zu verkaufen.

Gleichzeitig hat jedoch die Viralität der Pandemie dazu geführt, dass die Lagerarbeiter diese Waren für die Lieferung nur noch eingeschränkt vorbereiten können. Ob es nun daran liegt, dass sie sich selbst mit dem Virus angesteckt haben oder daran, dass es in den Lagerhäusern keine sicheren Arbeitsbedingungen gibt – viele Mitarbeiter können ihre Arbeit einfach nicht richtig ausüben. Als Reaktion auf dieses Dilemma machte Dunelm, eine britische Haushaltswarenmarke, seine Website vorübergehend nur „zum Browsen“ zugänglich, um sich neu zu organisieren. So konnten sie die Logistik neu ausrichten, um diese so sicher wie möglich für die Mitarbeiter zu gestalten und schließlich nach und nach den Online-Shop wieder öffnen, um die zunehmenden Online-Bestellungen zu bearbeiten.

Für Lieferpartner hat die Krise einen enormen Druck auf ihre Systeme und Mitarbeiter ausgeübt. Glovo ist ein italienisches Logistik-Startup, das Carrefour ermöglicht, seine Supermarktprodukte innerhalb von 30 Minuten nach Eingang der Bestellung an die Kunden in der Stadt zu liefern. Seitdem der Lockdown ausgerufen wurde, hat sich die Nachfrage verzehnfacht.

Sogar Amazon – ein Unternehmen, das für seine logistischen Leistungen bekannt ist - war gezwungen, seine Lager- und Abwicklungszentren umzugestalten. Allein letzten Monat hat der Gigant zusätzlich 100.000 neue Lagerarbeiter eingestellt und den Lohn für diese um etwa 2 Dollar pro Stunde erhöht. Denn auch Drittanbieter können sich nicht mehr auf die Unterstützung von Amazon bei der Auftragsabwicklung verlassen, da das Unternehmen den Versand von ausgewählten wesentlichen Warengruppen und Artikeln priorisiert (einschließlich medizinische Haushaltsgüter).

 

Zusammenarbeit ist der Schlüssel zum Überleben für Publisher

Für Publisher war es noch nie so wichtig wie heute zu verstehen, wie diese unsichtbare Infrastruktur funktioniert. Die Generierung von wertvollem Traffic für Marken, die Kunden tatsächlich beliefern können, ist wahrscheinlich der entscheidende Faktor für das Fortbestehen eines Publishers. Und der Schlüssel zu diesem Überleben wird die Zusammenarbeit von verschiedenen Unternehmen in der gesamten Branche sein.

Innerhalb unserer eigenen Community hat der CSS-Partner RedBrain eine tolle Initiative eingeführt: Das Unternehmen hat eine Liste von Kurierdiensten zusammengestellt, die von zahlreichen Markenpartnern genutzt werden. Diese Liste wurde veröffentlicht, sodass Kollegen aus der Branche nun eine Anlaufstelle haben, falls der eigene Kurierdienst Lieferschwierigkeiten haben sollte. „Von Beginn der Krise an war klar, dass die größte Last auf den Vertriebsnetzen liegen würde“, sagte Mitch Eccles von RedBrain, der das Projekt initiiert hat. „Daher hielten wir es für sinnvoll, diese auf mögliche Störungen hin zu überwachen. Durch den Austausch dieser Daten innerhalb der Branche wollten wir einen kollektiven Nutzen für alle erzielen.“ Seither sind noch mehr Informationen zu verschiedenen Händler-Websites dazugekommen, sodass RedBrains öffentliche Liste nun fast 400 Advertiser und ihre jeweiligen Kurierpartner umfasst. Die Statusseite jedes Kuriers wird zudem stetig aktualisiert.

Auch Awin hat zu RedBrains zentraler Liste beigetragen und darüber hinaus seine eigenen Insights und Informationen weitergeben, um die Branche in dieser Zeit besser zu unterstützen. Von dem bereits veröffentlichten Performance-Tracker, den lokalen Info-Hubs und Krisen-Initiativen-Boards bis hin zu weiteren Projekten, die sicherstellen sollen, dass unsere Partner die Krise bestmöglich bewältigen können. Solche Bemühungen sind ein Bespiel für den engen Gemeinschaftssinn in der Affiliate-Branche. Wenn wir weiterhin für mehr Transparenz bei Herausforderungen sorgen, haben wir alle bessere Chancen aus dem Great Lockdown gestärkt hervorzugehen.

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